Was ist Judo?

Judo (jap. 柔道, wörtlich sanfter Weg) ist eine faszinierende japanische Kampfsportart, deren Motto »Siegen durch Nachgeben« ist. Judo hat inzwischen weltweit Millionen Anhänger gefunden. Der Begründer, Professor Jigoro Kano ( 1860 - 1938), hat aus der traditionellen Selbstverteidigungstechnik die moderne Sportart Judo entwickelt. 


Judo - Die Beherrschung von Körper und Geist.

Judo, das bedeutet aber auch, die maximale Wirkung bei einem Minimum an Aufwand zu erzielen. Eine gleichzeitige Herausforderung für Geist und Körper.  Damit besitzt Judo nicht nur einen hohen erzieherischen Wert, sondern bietet darüber hinaus die besten Voraussetzungen zur Entfaltung der eigenen Persönlichkeit.

Judo ist viel mehr als nur eine Sportart, Judo ist auch eine Schule fürs Leben, für jung und alt.

Schon Kinder im Vorschulalter können die Kleinen (3 - 6 Jahre) als Vorstufe zum Judosport im Kurs "Ringen, Raufen, Grundlagen Motorik" Bewegung und Spiel lernen, während gleichzeitig ihre Körperhaltung trainiert und der Gesamtorganismus gestärkt wird.

Für Kinder von 6 bis 14 Jahren leistet Judo einen wertvollen pädagogischen Beitrag, der neben Spaß und Freude auch Kooperationsbereitschaft, Verantwortlichkeit und Rücksichtnahme vermittelt.

Im Freizeitverhalten von Jugendlichen spielt der Sport eine große Rolle. Eine Alternative neben Judo als Leistungssport ist dabei die Selbstverteidigung. Der Judosport schafft die notwendigen Freiräume zur eigenen Entfaltung und zeigt den Weg zu Selbstbehauptung und Selbstvertrauen.

Für Erwachsene bietet Judo ein vielseitiges Bewegungsangebot mit viel Kommunikation und Geselligkeit. Damit verbunden ist ein intensives Herz und Kreislauftraining.

Senioren nehmen Judo vor allem als ein Angebot wahr, das die körperliche Bewegungsfähigkeit bis ins hohe Alter erhält. Die Atem und Konzentrationsübungen sowie Meditation machen Judo zu einer idealen Gesundheitsprävention für ältere Menschen.

Der Judosport feierte im Mutterland Japan bei den Olympischen Spielen in Tokio 1964 seine olympische Premiere und gewinnt seither durch die weltweite Publizität in vielen Ländern neue Anhänger

So auch in Deutschland: Bei uns gibt es inzwischen mehr als 200.000 Judoka, die in ca. 2.600 Vereinen aktiv sind. Mehr als zwei Drittel der Mitglieder gehören noch den Jugendklassen an. Das spricht für das große Interesse an diesem Sport gerade bei Kindern und Jugendlichen.

Große und kleine Judosportler sind im Deutschen Judo-Bund (DJB) organisiert, der seinerseits Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ist.

Deutsche Judosportler waren in den vergangenen Jahrzehnten bei Olympischen Spielen, Welt und Europameisterschatten sehr erfolgreich. Zahlreiche Medaillen und Titel sind dafür der beste Beweis. Im internationalen Vergleich gehört Deutschland damit neben Japan, Frankreich, Korea und Russland zur Weltspitze.

Viele internationale und nationale Turniere bieten den männlichen und weiblichen Judo Leistungssportlern Gelegenheit zur Bestimmung ihrer Stärke im Wettkampf. Aber auch Freizeitsportlern eröffnet Judo mit einer Vielzahl von Einzel- und Mannschaftswettbewerben ein breites Betätigungsfeld.


Ursprünge

Die Ursprünge der japanischen Selbstverteidigungskünste liegen im Dunkel der Geschichte. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurden sie zwischen dem achten und zehnten Jahrhundert von chinesischen Mönchen nach Japan gebracht. Die Japaner kultivierten diese dann zu einer echten Kunst.

An den Höfen der Daimyos, der Fürsten, wurden diese Verteidigungs- oder Kampftechniken, sowohl mit, als auch ohne Waffe, von den Samurai, der Kriegerkaste, geübt. Die Samurai lebten nach ihrem Ehrenkodex, dem »Bushido« (Der Weg des Kriegers). Treue, grenzenlose Ergebenheit gegenüber ihrem Herren, unbedingte Pflichterfüllung, die Einhaltung eines gegebenen Wortes, absolute Verschwiegenheit, Tapferkeit und Todesverachtung, das waren die Grundsätze des Bushido. Es war von der konfuzianischen Lehre und dem Zen-Buddhismus stark beeinflusst. Die Zeit der Samurai endete Mitte des 19. Jahrhunderts (mit der Meiji-Restauration 1868). Das fast 700 Jahre dauernde Shogunat wurde abgeschafft und der Kaiser übernahm wieder die Macht im Lande. Die Samurai mussten ihre Waffen ablegen. Die Wirksamkeit der alten Waffen (Schwerter, Spieße, Bogen usw.) war ohnehin durch die Entwicklung der Feuerwaffen (Gewehre, Pistolen) nicht mehr gegeben.


Judo im modernen Japan

Mit dem Beginn des modernen Japans geriet die waffenlose Selbstverteidigung fast in Vergessenheit. Am Hofe des japanischen Kaisers unterrichtete gegen Ende des 19. Jahrhunderts der deutsche Medizinalrat Erwin Bälz. Ihm fiel die schwache Konstitution seiner Studenten auf, weshalb er ihnen empfahl, zur Stärkung die alten Samuraitechniken zu üben. Diese Geschichte, nach der Bälz letztlich der Auslöser für das Üben der Samuraitechniken war, wird oft erzählt, ist jedoch nicht bewiesen.

Einer seiner Schüler, der junge Jigoro Kano, übte bei verschiedenen letzten Meistern der fast vergessenen Kampfkünste. Aus den dort erlernten Techniken entwickelte er das moderne Judo, indem er die alten Kriegskünste von brutalen und gefährlichen Elementen befreite. Stöße, Schläge, Tritte und viele Hebeltechniken, insbesondere die Kleingelenkhebel, wurden ersatzlos gestrichen. Die verbleibenden Techniken ermöglichten nun einen sportlichen Zweikampf, ohne dass größere Verletzungen zu befürchten waren. Diesen neuen Sport nannte er »Judo« (benannt nach der Jiu-Jitsu Schule Judo). Zu deutsch: »Sanfter« oder »weicher Weg«.

Bereits ab drei Jahren kann man mit dem Judotraining beginnen.

Er gründete 1882 eine eigene Schule, den »Kodokan« (”Ort zum Studium des Weges«, heute in Tokio), an der er seinen neuen Sport lehrte. Auch heute noch ist der Kodokan das »Mekka« des Judo.

Judo setzte sich allerdings erst in Japan durch, als die Schüler Kanos im Jahre 1886 einen Kampf zwischen der Kodokan-Schule und der traditionellen Jiu-Jitsu-Schule »Ryoi-Shintoryu« für sich entscheiden konnten. In 30 Kämpfen siegten sie 28 mal. Die anderen beiden Kämpfe gingen unentschieden aus. Aufgrund dieses großen Erfolges verbreitete sich Judo in Japan rasch und wurde bald bei der Polizei und der Armee eingeführt.

Es wird behauptet, Kano habe das Judo durchaus als erstzunehmende Selbstverteidigung inklusive Schlägen und Fußtritten konzipiert (ohne die ein Sieg über »Ryoi-Shintoryu« nicht möglich gewesen wäre). Näheres zu dieser Theorie auf der Seite von Hamare Judo.


Der Weg in den Westen

1906 kamen japanische Kriegsschiffe zu einem Freundschaftsbesuch nach Kiel. Die Gäste führten dem deutschen Kaiser ihre Nahkampfkünste vor. Wilhelm II. war begeistert, und er ließ seine Kadetten in der neuen Kunst unterrichten. Der damals bedeutendste deutsche Schüler war der Berliner Erich Rahn. Noch im gleichen Jahr gründete er die erste Schule für asiatische Kampfkünste in Deutschland. Damals nannte man diese Techniken noch »Jiu-Jitsu«.

1922, nach Ende des 1. Weltkrieges, fanden die ersten Meisterschaften statt, bei denen Erich Rahn Sieger blieb. Es dauerte jedoch noch recht lange, bis die Sportler, in den eigentümlichen weißen Kitteln, endgültig anerkannt wurden. 1934 wurden die ersten Europameisterschaften in Dresden ausgerichtet. Durch den 2. Weltkrieg wurde die Entwicklung dann unterbrochen. Bis 1948 war der Judosport durch die Alliierten verboten. 1952 wurde das Deutsche Dan-Kollegium e.V. (DDK) als Dachverband sämtlicher Budosportarten in Deutschland und 1953 der Deutsche Judobund gegründet und 1956 vom deutschen Sportbund anerkannt. Bei den Olympischen Spielen in Tokio, 1964, war erstmals Judo als olympischer Sport zu sehen. Bei der Judo-Weltmeisterschaft 1979 in Paris errang Detlef Ultsch als Mitglied der DDR-Nationalmannschaft den ersten Judo-Weltmeistertitel für Deutschland. Heute wird Judo in über 150 Ländern, sowohl von Frauen, als auch von Männern ausgeübt.


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